Bier statt Wein zu einem festlichen Essen

Bierfans kommen manchmal in ein Entscheidungsdilemma, wenn Sie zu einem Menü eingeladen sind, zu dem die Gastgebenden – wie üblich – auch die begleitenden Weine ausgesucht haben. Verlangt es dann die Höflichkeit, dass Sie den vielleicht ungeliebten Wein trinken? Oder ist es ohne Fettnäpfchengefahr möglich, sich einfach ein Bier zu bestellen?
In der Gastronomie bitten Sie am besten eine Restaurantfachkraft, diese Frage diskret mit den Einladenden zu klären. So kommt bei ihnen nicht das Gefühl einer Verpflichtung auf, ihrem direkt an sie gerichteten Wunsch zustimmen zu müssen, wenn sie dies gar nicht möchten.
Im Privathaushalt ist Fingerspitzengefühl gefragt. Kennen Sie sich gut, dürfte die Bitte problemlos erfüllt werden. Wissen Sie jedoch zum Beispiel nicht, ob Ihre Gastgebenden stets Bier im Haus haben, würden diese durch Ihre Frage danach eventuell in Verlegenheit gebracht. Unabhängig davon könnte sich jemand beleidigt fühlen, wenn er Ihnen seinen „besten Tropfen“ anbietet und Sie ihn verschmähen. Als Alternative bleibt immer noch die Bitte um ein Mineralwasser.
Tipp für Einladende: Ersparen Sie Ihren Gästen am besten solche Zweifel und Schwierigkeiten, indem Sie direkt von sich aus anbieten: „Wenn Sie lieber ein Bier statt Wein zum Essen trinken möchten, bestellen Sie es sich doch, bitte / hole ich es Ihnen gern.“

Quelle: AUI, Bielefeld

Weihnachtspost – Auf welchem Weg?

Grüße und Begrüßung | Briefe

Ist es im Zeitalter der elektronischen Medien nicht völlig antiquiert, Weihnachtsgrüße auf dem traditionellen Postweg zu verschicken oder gar Handschriftliches zu versenden? Diese Frage, die viele beschäftigt, ist mit einem klaren „Nein“ zu beantworten. Gerade, weil im Alltag sehr Vieles ganz schnell gemailt, gesimst und gefaxt wird, heben sich andere Grüße äußerst positiv aus der Masse der elektronischen Post heraus.
Handschriftlich verfasste Weihnachts- oder Neujahrswünsche drücken besondere Wertschätzung aus, weil sie zeigen: Ich habe mir für dich (für Sie) extra viel Zeit genommen. Allerdings können auch Festtagsgrüße Freude bereiten, die als E-Mail oder SMS verschickt werden. Ob dies der Fall ist, hängt allerdings von der Einstellung der Empfangsperson zu modernen Kommunikationswegen ab. Überlegen Sie deshalb sorgfältig, wem Sie Ihre guten Wünsche auf welchem Versandweg zukommen lassen, wenn Sie Wert auf eine positive Wirkung legen.

Quelle: AUI, Bielefeld

Niesen – Gesundheit oder Entschuldigung

„Gesundheit sagt man heute auf keinen Fall mehr!“ „Stattdessen entschuldigt sich immer die Person, die geniest hat!“ Beide Sätze enthalten Ungenauigkeiten. Wie alle modernen Umgangsformen situationsgerecht angewendet werden, wird auch die Entscheidung pro oder kontra „Gesundheit“ unter diesem Gesichtspunkt gefällt. In allen offiziellen Situationen sowie in einer größeren Runde gilt die Empfehlung, die Entgegnung auf ein Niesen wegzulassen.

Die Gründe: Unfreiwillige Körpergeräusche werden grundsätzlich taktvoll und somit kommentarlos überhört. Es gibt beispielsweise weder eine „Antwort“ auf ein Husten noch eine Entgegnung auf ein Magengrummeln wie „angenehmes Hungergefühl!“

Außerdem: Die Zahl der Menschen, die von Allergien und damit ganzen Niesserien geplagt werden, wächst leider ständig. Es besteht die Gefahr, dass wiederholte „Gesundheit“-Kommentare einen ironischen Beigeschmack bekommen. Zudem fühlen sich viele selbst nur einmal Niesende als Störenfriede, etwa in Konferenzen oder noch offizielleren Situationen. Dieser unerwünschte Effekt würde durch das „Gesundheit“-Sagen nur verstärkt. Dazu kommt: Niesen muss keineswegs zwingend ein Ausdruck von Krankheit sein – Beispiel: die Wirkung von Pfeffer.

Für das Niesen an sich braucht sich niemand zu entschuldigen. Es ist schließlich weder ein Fehler noch Absicht. Wird dadurch allerdings eine Unterhaltung unterbrochen, ist eine Entschuldigung angebracht. Diese bezieht sich dann jedoch auf die Gesprächs-Unterbrechung statt auf das Niesen.

Quelle: AUI, Bielefeld

Erkältungszeit

Wer von Schnupfen oder Husten geplagt wird, kann kaum jeden Kontakt mit anderen Menschen in der Öffentlichkeit vermeiden. Ihnen unliebsame Störungen zu ersparen sowie die Ansteckungsgefahr zu verringern, ist dann ein Höflichkeitsgebot. So ist es rücksichtsvoll, auf das Handreichen zur Begrüßung zu verzichten. Ein kurzer Hinweis wie: „Ich möchte Ihnen heute lieber nicht die Hand geben, weil ich so erkältet bin“, beugt Missverständnissen vor.

Frei wählbare Termine werden am besten verschoben – etwa ein Besuch im Fitness- Studio. Wer Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen und sie vor möglicherweise gefährlicher Ansteckung bewahren will, verzichtet lieber auf das Training, bis die Erkältung abgeklungen ist. Ähnliches gilt für Tanzstunden. Wer einen Ausweichtermin wahrnehmen kann, der in den meisten Fällen seitens der Tanzschulen angeboten wird, sollte diese Möglichkeit nutzen. Bei Theater- und Konzertbesuchen ist Rücksichtnahme ebenfalls gefragt, damit der Kunstgenuss nicht empfindlich gestört wird. Auch hier gilt: Was sich auf einen späteren Zeitpunkt verlegen lässt, unterbleibt besser während der akuten Phase einer Erkältung. Falls Sie an einer Veranstaltung teilnehmen müssen, zeigen Sie Ihre Rücksichtnahme so: rechtzeitig Medikamente gegen Erkältung einnehmen, notfalls bei einem akuten Anfall den Raum verlassen.

Quelle: AUI, Bielefeld

„Parkplatz“ für die Serviette

Wo ist der „Parkplatz“ für die Serviette, wenn jemand zwischen den Gängen eines Essens den Tisch verlässt, etwa bei einem Büfett? In Deutschland ist es nach wie vor Usus, die Serviette dann locker zusammengelegt links neben dem Gedeck zu deponieren. Das Ablegen auf dem Stuhl ist USA-Sitte.

Quelle: Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International, Bielefeld

Pünktlichkeit

Immer mehr Menschen meinen: „Ich habe ja mein Handy dabei. Somit kann ich jederzeit Bescheid geben, wenn ich später als verabredet erscheinen werde. Also brauche ich mich um Pünktlichkeit nicht mehr zu bemühen.“ Eine solche Einstellung ist mehr als unhöflich. Wer nachlässig mit der Zeit anderer umgeht, verhält sich rücksichtslos. Die telefonische Info über eine Verspätung ist und bleibt die Notlösung, wenn trotz sorgfältig geplanter Weg- und Pufferzeiten Unvorhersehbares passiert.

Quelle: Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International, Bielefeld

Neue Small-Talk-Tabus unter Fremden

Als Gesprächseinstieg beim Small Talk unter Fremden gehören Tod, Krankheit sowie strittige und heikle Themen aus Politik und Gesellschaft (etwa Religion, Sex, Einkommen) zu den Tabus. Dies ist lange bekannt. Ebenso, dass es verpönt ist, sich bei einer Dame nach ihrem Alter zu erkundigen. Nach aktuellen Empfehlungen gilt dies auch unter relativ fremden Männern.

Ein weiteres neues Small-Talk-Tabu ist die Frage nach dem Familienstand. Ebenso wie die nach dem Alter, berührt sie einen intimen und oft emotional belasteten Bereich. Rücksichtnahme bedeutet in diesem Fall, andere nicht durch eine solche Frage in Erklärungsnot zu bringen, die als unangenehm, aufdringlich oder gar bloßstellend empfunden werden kann. Problemlose Gesprächseinstiege bieten Themen wie Urlaub, Sport, Kultur, Fernsehen, lokale oder aktuelle Ereignisse.

Quelle: Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International, Bielefeld

Rituale

Wie wertvoll Rituale für das Zusammenleben und den angenehmen Alltagsverlauf sind, haben viele Menschen in der jüngsten Zeit wieder entdeckt. Nachdem in den letzten Jahrzehnten Rituale oft als „altmodisch“, „beschränkend“, „überflüssig“ oder „unsinnig“ abgestempelt und abgeschafft wurden, hat sich inzwischen die Erkenntnis verbreitet: Feststehende, wiederkehrende Zeremonien fördern den Zusammenhalt von Gruppen, bieten Orientierung und Halt – gerade auch bei der Kindererziehung – und bewirken ein Wohlgefühl durch Vertrautheit.

So ist vieles, was im Allgemeinen mit „Höflichkeitsregel“ bezeichnet wird, ein Ritual – zum Beispiel Begrüßungs- und Abschiedsformen. Jede Gruppe von Menschen kann sich Rituale schaffen und deren positive Wirkung nutzen. Einige Beispiele: Das kann in der Familie die Zu-Bett-geh- Geschichte und die regelmäßige gemeinsame Mahlzeit am gedeckten Tisch sein. Ein Büroteam trifft sich alle zwei Wochen zwanglos nach der Arbeit. Zwei Kolleginnen gehen jeden Montag gemeinsam in die Kantine, um sich zum Wochenstart auszutauschen. Zwischen Freundinnen oder Verwandten wird ein feststehender, monatlicher telefonischer „Klöntermin“ vereinbart. Außerdem gibt es persönliche Rituale, bei denen individuelle, lieb gewordene Gewohnheiten das Wohlgefühl eines Menschen steigern und sich dadurch positiv auf die Kommunikation mit anderen auswirken. Darüber hinaus sind natürlich auch die seltenen Festtagsriten – etwa zu Ostern und Weihnachten, am Muttertag oder an Geburtstagen – von großem Wert. Die kleinen Alltagsrituale jedoch sind für die angenehme Kommunikation und den unkomplizierten Umgang miteinander mindestens genauso wichtig.

Quelle: Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International, Bielefeld

Bitte – Danke – Gerne geschehen

Im Englischen sind die drei höflichen Wörter „please – thank you – you are welcome“ eine Selbstverständlichkeit. Ebenso beispielsweise die entsprechenden Ausdrücke in spanisch sprechenden Ländern „por favor – gracias – de nada“. In Deutschland ist diese „Dreierkette“ nicht allgemein verbreitet. Dabei ist eine Erwiderung auf „Danke“ eine kostenlose Freundlichkeit, die jeder Mensch einem andern ohne Mühe zukommen lassen kann.

Da das deutsche „Bitte“ eine doppelte Bedeutung hat, könnte es an dieser Stelle noch einmal gebraucht werden und ist sicher besser als gar nichts. Ein „gern(e)“ oder „gern geschehen“, „sehr gern“, „nichts zu danken“, „habe ich gern getan“ bietet sich aber weit mehr an. Auch regionale Gepflogenheiten – etwa „Da nicht für“, was viel im norddeutschen Raum verwendet wird – sind um Längen höflicher, als zu schweigen.

Quelle: Empfehlung des Arbeitskreises Umgangsformen International, Bielefeld

Nutzung des Mobiltelefons

SMS – der aktuelle „Knigge-Aufreger“

Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen findet es respektlos und feige, eine Beziehung per SMS zu beenden. Dies zeigt: Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, dass es bei aller Liebe zu modernen Medien Grenzen gibt, die den Umgang mit ihnen bestimmen. Wer seinen Mitmenschen Wertschätzung entgegenbringt, wird bestimmte Nachrichten deshalb nach wie vor im persönlichen Gespräch oder auf dem traditionellen Postweg überbringen.

So bleibt es ein Tabu, Kondolenz per SMS zu übermitteln, wenn eine Todesnachricht per Trauerbrief oder Zeitungsanzeige bekannt gegeben wurde. Ungeeignet ist eine SMS unter anderem für eine kurzfristige Absage wegen der Unsicherheit, ob die Empfangsperson sie rechtzeitig liest, sowie für offizielle Geschäftsbriefe. Schreiben zu besonderen Anlässen – etwa eine Einladung zur Hochzeit oder Gratulationen zu herausragenden Festtagen wie einer Taufe oder goldenen Hochzeit – haben auch heute noch als Brief, vorzugsweise handgeschrieben, oder Karte im wahren wie im übertragenen Sinn des Wortes mehr „Gewicht“ als eine SMS.

 

Quelle: Auszug des Arbeitskreises Umgangsformen International, Bielefeld